Cosmic Diary Logo

Meet the astronomers. See where they work. Know what they know.


The Project:

The Cosmic Diary is not just about astronomy. It's more about what it is like to be an astronomer.

The Cosmic Diary aims to put a human face on astronomy: professional scientists will blog in text and images about their lives, families, friends, hobbies and interests, as well as their work, their latest research findings and the challenges that face them. The bloggers represent a vibrant cross-section of female and male working astronomers from around the world, coming from five different continents. Outside the observatories, labs and offices they are musicians, mothers, photographers, athletes, amateur astronomers. At work, they are managers, observers, graduate students, grant proposers, instrument builders and data analysts.

Throughout this project, all the bloggers will be asked to explain one particular aspect of their work to the public. In a true exercise of science communication, these scientists will use easy-to-understand language to translate the nuts and bolts of their scientific research into a popular science article. This will be their challenge.

Task Group:

Mariana Barrosa (Portugal, ESO ePOD)
Nuno Marques (Portugal, Web Developer)
Lee Pullen (UK, Freelance Science Communicator)
André Roquette (Portugal, ESO ePOD)

Jack Oughton (UK, Freelance Science Communicator)
Alice Enevoldsen (USA, Pacific Science Center)
Alberto Krone Martins (Brazil, Uni. S. Paulo / Uni. Bordeaux)
Kevin Govender (South Africa, S. A. A. O.)
Avivah Yamani (Indonesia, Rigel Kentaurus)
Henri Boffin (Belgium, ESO ePOD)

Sonnenfinsternis am 4. Januar über Wien

Hallo!
Das astronomische Jahr 2011 began gleich mit einem schönen Ereignis, nämlich einer partiellen Sonnenfinsternis (SoFi), die in den Morgenstunden des 4. Januar über Europa, Nordafrika und dem westlichen Asien beobachtbar war. Ich konnte die Finsternis von meiner neuen Wohnung in Wien aus verfolgen, wo beste Wetterbedingungen herrschten. Leider waren nicht alle SoFi-Fans so im Glück, vielerorts behinderte dichter Nebel die Sicht auf die Sonne.

Mir gelangen einige gute Fotos mit meinem 200mm Teleobjektiv und einer fotografischen Filterfolie. Leider konnte ich aber meine “Russentonne” (f=1000mm, d=100mm) nicht zum Einsatz bringen, da der Blickwinkel aus den Fenstern meiner Wohnung gerade so ungünsig war, dass ich mit dem “Tonne” auf dem Stativ keine freie Sicht auf die Sonne bekam. Wie auch immer, hier ein schönes Bilder der Finsternis in etwa zur maximalen Phase:

Partielle Sonnenfinsternis, 4. Januar 2011, f=200mm, f/10, 1/800s

Partielle Sonnenfinsternis, 4. Januar 2011, f=200mm, f/10, 1/800s

Die sichelförmige Sonne und die Fichten vor den Fenstern meiner Wohnung projizierten auch schöne Bilder der Finsternis an der Schlafzimmerwand:

Partielle Sonnenfinsternis, projiziert an die Schlafzimmerwand.

Partielle Sonnenfinsternis, projiziert an die Schlafzimmerwand.

Auch von mir gibt es mit dem neuen Jahr ein paar Neuigkeiten. Ich bin zum Jahreswechsel wieder nach Wien gezogen, da ich ein Projekt vom Österreichischen Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) bekommen habe, und mit Beginn 2011 eben diese Projekt angetreten habe. Seit wenigen Tagen lebe ich also nicht mehr in Belgien, sondern wieder in meinem Heimatland Österreich. Einzelheiten zu dem FWF-Projekt erzähle ich dann in einem folgenden Beitrag.

Bis zum nächsten Mal,
Stefan

January 9th, 2011 | posted by Stefan Uttenthaler in Aktueller Sternenhimmel, Astrofotografie

Arbeitsbesuch in Padua - gefangen durch die Aschewolke

Hallo!
Nach längerer Abwesenheit wieder einmal ein Eintrag von mir - ich gelobe mich zu bessern.

Dieser Tage bin ich auf einen Arbeitsbesuch in Padua in Italien, der durch die Wolke aus Vulkanasche unfreiwillig verlängert wird. Ich besuche hier meinen Kollegen Bernhard Aringer vom Astronomischen Observatorium Padua, um Modelle von Atmosphären von kühlen Riesensternen zu berechnen, und wollte ansich am vergangenen Freitag (16. 4.) nach Löwen in Belgien zurückkehren. Nun muss ich aber abwarten, wann wieder ein Flug geht. Mit dem Zug zu reisen ist leider auch keine echte Alternative, da alle Fernzüge für die kommenden Tage hoffnungslos ausgebucht sind. Das gibt mir die Gelegenheit, in diesem Post den wissenschaftlichen Hintergrund der Zusammenarbeit ein bisschen zu beschreiben.

Das Hauptprojekt, für das ich nun in Löwen arbeite, beschäftigt sich mit roten Riesensternen, die sich in der Nähe des Zentrums unserer Galaxie befinden. Genauer gesagt gehören sie zum sogenannten Bulge der Milschstraße, der zentralen Verdickung der sonst flachen Milchstraßenscheibe. Die genaue Entstehung des Bulges ist nicht bekannt, und wir versuchen mit unserer Arbeit ein kleines Stück zur Enträtselung beizutragen. Der Bulge unserer Milchstraße ist nur der uns nächstgelegene Bulge, aber auch andere Galaxien haben zum Teil solche zentralen Verdickungen. Bulges scheinen also ein generelles Merkmal von vielen Galaxien zu sein, und das Verstehen ihrer Entstehung ist ein wesentlicher Bestandteil des Verstehens der Entwicklung von Galaxien als Ganzes.

Soviel zum allgemeinen Hintergrund. Was haben aber nun meine Riesensterne damit zu tun? Nun, eine Möglichkeit, die Entstehung des Bulges zu entschlüsseln, liegt darin, die chemische Zusammensetzung der Sterne im Bulge zu bestimmen. Damit ist gemeint, welche chemischen Elemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff oder Eisen mit welcher Häufigkeit in diesen Sternen vorkommen, denn diese Häufigkeiten werden beeinflusst durch den genauen Entstehungsmechanismus des Bulges. Und Riesensterne sind deshalb gute Indikatoren, da sie sehr hell sind und auch über die gewaltige Entfernung zum Bulge (ca. 30000 Lichtjahre, oder 8 Kiloparsec) relativ gut beobachtet werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass die kühlen Riesensterne das meiste Licht im infraroten Spektralbereich aussenden, jene Strahlung, die auch den Staub, der in riesigen Wolken zwischen uns und dem Bulge liegt, relativ ungehindert durchdringt. Das für uns sichtbare Licht wird durch den Staub fast vollständig blockiert.

Allerdings haben Riesensterne auch einen Nachteil: Die komplexe Struktur ihrer Atmosphähren, die sich nur schwierig mit mathematischen Modellen beschreiben lässt. Deshalb wagen sich auch nicht viele Wissenschafter an die Analyse von Riesensternen, weil sie nicht die richtigen mathematischen Werkzeuge (eben die Atmosphärenmodelle) besitzen. Ein Problem bei der Berechnung ist zum Beispiel, dass die Riesensterne (wie der Name schon sagt) sehr ausgedehnt sind, und allmählich in das Vakuum des Weltraums übergehen. Glücklicherweise arbeitet mein Kollege Bernhard Aringer an solchen Modellen, die ich zur Analyse meiner Beobachtungen verwenden kann. Ich bin also in Padua, um mit ihm die Berechnung der Modelle und der genauen Vorgangsweise in der Analyse zu besprechen. Auch im Zeitalter von E-Mail und Internet sind solche Treffen unter Wissenschaftern ganz ganz wichtig, um die Dinge von Angesicht zu Angesicht zu besprechen. Der Arbeitsbesuch gestaltet sich auch sehr produktiv und angenehm, ich hoffe aber trotzdem, dass sich die Aschewolke demnächst wieder verzieht und ich nach Belgien an meinen Arbeitsplatz zurückkehren kann, um die neuen Erkenntnisse tatsächlich in die Tat umzusetzen.

Bis zum nächsten Mal,
Stefan

April 19th, 2010 | posted by Stefan Uttenthaler in Uncategorized

Re-name the “E-ELT”, III.

This entry could also be called “Dictionary of indigenous languages and the name of the E-ELT”. There is already a lively discussion going on in the Facebook group on renaming the “E-ELT”! Thanks a lot for your comments!

A colleague at ESO recently sent me the link to an online dictionary of indigenous languages in Chile that might be useful to find a nice word to name the “E-ELT” after. Unfortunately, the dictionary is in Spanish, and I do not understand enough Spanish to make much sense out of it. But I am sure that there are many people out there in the community who perfectly speak Spanish and who can use this dictionary to come up with a nice indigenous name for the “E-ELT”. If you do so, please keep in mind the comment by Markus Kissler-Patig on my first post that Mapuche (whose words were used to name the VLT UTs after) actually never lived in the Atacama, but rather did the Inca and the Atacameño. So, could you please have a look at this dictionary and post your favourites here and/or on the Facebook group? I am looking forward to it!

Read you soon,
Stefan

February 12th, 2010 | posted by Stefan Uttenthaler in Uncategorized

Re-name the “E-ELT”, II.

Hello everybody!
My most recent blog entry was about a proposal to re-name ESO’s telescope project currently termed “E-ELT”, and there were quite a few reactions on that. This entry is to summarise the arguments as well as the alternative names that have been proposed so far. Furthermore, I would like to announce the foundation of a facebook group “Re-name the “E-ELT”. Everybody is welcome to join and invite his/her friends.

I don’t want to repeat my own reasoning for re-naming the “E-ELT”, you can read it all here. The first obvious choice is to name the telescope after a famous European astronomer, so the name “Robert Wilson” was suggested. However, choosing names of astronomers from the history always has the disadvantage as to “favour” one or the other country, and since ESO doesn’t have a tradition in this respect, there will not be a balance between the member countries soon.

Next, Alberto Krone Martins suggests the name “The EYE”. Personally, I think this is a good name! Can somebody come up with an acronym that fits? Maybe this is not required anyway (there are alread too many acronyms floating around…).

Aybüke Küpcü Yoldaş from ESO proposes “The Answer”, because the E-ELT will provide the answers to important questions in astrophysics and it nicely refers to the 42 meter diameter via the Hitchhiker’s Guide to the Galaxy by Douglas Adams. Indeed, the number 42 seems to inspire some people, and I like this direction of thinking!

Franck Marchis from Berkeley informs us about why the American competitor of the “E-ELT” is termed TMT (Thirty Meter Telescope) at the moment. They want to leave open the possibility for significant private funding of the telescope, and would then name the telescope after the funder. For the “E-ELT” he suggests to continue naming the telescope after Mapuche words for celestial objects, as was done for the VLT unit telescopes.

Then, Alcides Dutra suggests a name from Greek mythology: CYCLOPS or Cyclopean Telescope. It fits this gigantic telescope really well! Luiz Otavio Mantovani thinks in a similar direction and proposes ARGUS, because it can see everything (”panoptes”). However, the name ARGUS is in use already for an instrument (or part of an instrument) at the VLT Paranal observatory.

A very important and interesting comment was posted by Markus Kissler-Patig, stationed at ESO and deeply involved in the E-ELT project. He suggests completely different directions of thinking, and also warns from picking a Mapuche name before the site of the telescope has been chosen. The different direction of thinking would be names of night-blooming flowers, such as Oenothera biennis or Mirabilis jalapa. This latter plant is very interesting, because it is native in the Peruvian Andes, and can change the colour of its flowers. Even flowers of different colours can be found simultaneously on the same plant. If a night-blooming flower (or a nocturnal animal?) is chosen for naming the E-ELT, it should probably be a species that is local at the site of the E-ELT. For this we have to wait for the decision on the site, too… In any case, Markus suggests to keep brain storming, and to start lobbying for the best proposed names.

Katrina Exter, who is from the same institute in Belgium as I am, asks why it should be called the “E”-ELT, meaning why emphasise the “European” - that seems a bit chest-beating. It could be called just ELT. This would at least make pronunciation a bit easier: Try to tell your friends about the “E-ELT”, and they will think that you are stammering…

Ulli Käufl, also stationed at ESO in Garching near Munich, suggests DAT - Douglas Adams Telescope, provided his family agrees. This also touches on the current proposal of a 42m primary mirror. I like this suggestion, too!

Finally, I for myself would like to suggest “THE telescope”, but admittedly there are better names among the suggestions above.

In summary, we now have the following suggestions (sorted by the time they appeared in the comments to my blog, no preference):

Robert Wilson
The EYE
The Answer
Mapuche name (of a celestial object), to be defined
CYCLOPS
Cyclopean Telescope
Oenothera biennis (night-blooming flower)
Mirabilis jalapa (night-blooming flower)
ELT
DAT (Douglas Adams Telescope)
THE telescope

Any preferences (vote for the own suggestion not permitted)? New ideas?

Looking forward to reading from you,
Stefan

November 26th, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Re-name the E-ELT

Rename the E-ELT!

The E-ELT is the European Extremely Large Telescope, a planned 42m diameter telescope currently undergoing its design phase, and scheduled to see “first light” around 2018. I propose here to abandon the name E-ELT and rename it to something more catchy. Why?

The current name is simply cumbersome and difficult to memorize, for the public as well as for funding agencies. Nowadays public relations is rather important even in science. Why was “Hubble” so successful, in the sense that almost everybody, even “average” people on the street, know about it? One reason certainly is because 1% of Hubble’s observing time was assigned to take “pretty pictures” that can be used for public relations work. That helped making “Hubble” popular. I think that another reason is the catchy name.

The “Hubble Space Telescope” (HST) was named after Edwin Powell Hubble, a US-american astronomer who discovered that Galaxies move away faster from us the farther they are away from us (i.e. the expansion of the universe). Of course it is a bit of luck that this important astronomer also had such a catchy name that suited well to name a telescope after him. If we dig a bit into European history of astronomy, we might come up with a good name as well. Kepler and Herschel are unfortunately already taken… Previously a 100 meter telescope was planned, and that project had the name “OWL” (”Overwhelmingly Large Telescope”). Admittedly, the full name is not at all better than “Extremely Large Telescope”, but the acronym OWL is still very nice. Why not keep the name for the current, shrunk project?

Another problem: How should one translate “E-ELT” into something sensible into all the European languages? The US have the “advantage” of having one common language, whereas in Europe we have to deal with a multitude of languages. At least 10 are represented by the current ESO member states, a number that will almost certainly increase with new members. If the E-ELT should become popular in all of these, a name has to be found that sounds nice in all (or at least in most) of them. After all, names of historical astronomers do not need translation. Last but not least I would like to mention that the European Southern Observatory ESO gets mixed up a lot with ESA, the European Space Agency. It is time to make ESO more popular!

On the other hand, one should mention that the American competitor of the E-ELT, the “Thirty Meter Telescope” (TMT), doesn’t have a very catchy name either. Sounds rather geeky. So, we are in good society. ;-)

This is an exceptional entry in my blog in English, since it is aimed at my fellow astronomer colleagues. In any case, I am looking forward to suggestions of names from readers. Unfortunately, I feel unable to start a competition on that, nevertheless I will forward serious suggestions to ESO (Director General and the Public Outreach Department), if there is enough support.

Cheers,
Stefan

August 18th, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Wissenschaft und Sprache

Neue Instrumente braucht die Wissenschaft

Hallo!

In einem früheren Blogeintrag habe ich erwähnt, dass sich Astronomen nicht nur mit der Wissenschaft ansich beschäftigen, sondern auch mit dem Bau von Teleskopen und Instrumenten für wissenschaftliche Messungen. Auch ich bin einer von jenen Astronomen, die sich am Instrumentenbau beteiligen. Während der Dissertation habe ich bei der Europäischen Südsternwarte ESO an einem Spektrographen für das Very Large Teleskop (VLT) mitgewerkt. Mitlerweile ist das Instrument mit dem schwer auszusprechenden Namen CRIRES seit zwei Jahren in Betrieb und liefert spannende Messungen und neue Wissenschaft.

Das VLT ist eines der größten und modernsten Observatorien der Welt, aber die ESO plant bereits an einem noch größeren Teleskop. Es soll den etwas sperrigen Namen “European Extremely Large Telescope” (kurz E-ELT, zu deutsch “Europäisches Extrem Großes Teleskop”) tragen und einen Hauptspiegeldurchmesser von 42 Metern (Douglas Adams lässt grüßen!) haben. Derzeit ist beabsichtigt, das Teleskop in etwa einem Jahrzehnt in Betrieb gehen zu lassen, obwohl noch nicht einmal bekannt ist, wo es denn überhaupt stehen soll. Aber nachdem das amerikanische “Konkurenz-Produkt” “Thirty Meter Telescope” (TMT, “Dreissig Meter Teleskop”) auf Hawaii auf der Nordhalbkugel der Erde gebaut wird, wird das E-ELT vermutlich eher auf die Südhalbkugel gestellt.

Nicht nur am Teleskop und dem es umgebende Gebäude wird schon fleissig geplant, auch an möglichen Instrumenten für das Riesenteleskop. Von unterschiedlichen Gruppen von Instituten, sogenannten Konsortien, gibt es Vorschläge zu etwa zehn verschiedenen Instrumenten, jedes davon spezialisiert auf einen bestimmten Wellenlängenbereich und verschiedene Messmoden wie Bildgebung (Kamera) oder Spektroskopie. An einem der Instrumenten darf auch ich planen, nämlich am Instrument METIS (”Mid-infrared E-elT Imager and Spectrograph”). Ich darf mir dabei mit einigen Kollegen den Kopf zerbrechen, wie die Messungen des Instruments kalibriert werden sollen. METIS wird wahrscheinlich von allen Instrumenten des E-ELTs bei der größten Wellenlänge arbeiten, nämlich im sogenannten thermischen Infrarot. Das ist das, was man generell unter Wärmestrahlung versteht. Unser eigener menschliche Körper strahlt durch seine Wärme in diesem Wellenlängenbereich (um 10 Mikrometer) am meisten ab.

Ob METIS oder ein bestimmtes der anderen Instrumente tatsächlich gebaut wird, und wenn ja wann, ist noch nicht einmal entschieden. Jetzt ist man in der Phase, wo die Konsortien Konzepte ausarbeiten, wie die Instrumente aussehen und funktionieren sollen. Diese Konzepte werden dann den Entscheidungsträgern bei ESO vorgelegt, und erst dann wird beschlossen, welches Instrument in welchem Zeitrahmen gebaut werden soll. Vermutlich werden nur zwei Instrumente zur Verfügung stehen, wenn es “First Light” vom Teleskop gibt, die anderen Instrumente werden dann später der Reihe nach ans Teleskop gehen. Das ist alles viel Zukunftsmusik, und wenn ich hier im Detail ausführte, was alles geplant ist, wäre man wohl in zehn Jahren sehr erstaunt, was tatsächlich herausgekommen ist. Man darf gespannt sein, wie es am Instrumentierungssektor weitergeht.

Schluss für heute. Bis zum nächsten mal,
Stefan

August 17th, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Was Astronomen so tun

IYA2009: Halbzeit!

Hallo!

Die erste Hälfte des Internationalen Jahres der Astronomie (IYA2009) ist um. Wie die Zeit vergeht! Anders als beim Fussball gibt es aber keine Verschnaufpause in der Mitte, es geht mit Volldampf weiter. Trotzdem ist Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Zuerst muss ich mich mal entschuldigen, dass ich mit dieser Halbzeitbilanz etwas spät dran bin. Die ersten sechs Monate dieses Jahres sind schon seit ein paar Tagen um. Jedoch nach Tagen gezählt ist die genaue Halbzeit erst seit vorgestern, also seit dem 3. Juli, dem 183. Tag des Jahres, um. Wie dem auch sei, als Entschuldigung sei angeführt, dass ich seit 1. Juli auf der Kanareninsel La Palma zum Beobachten bin, und entsprechend viel zu tun habe. Das Instituut voor Sterrenkunde in Leuven betreibt hier, in Zusammenarbeit vor allem mit dem Observatorium im schweizerischen Genf, das Mercator Teleskop.. Es ist mit 1.2 Metern Spiegeldurchmesser im Vergleich zu anderen Teleskopen relativ klein, dennoch kann man damit schon einiges an Forschung betreiben. Seit kurzem ist ein hochauflösender optischer Spektrograph am Teleskop installiert, der eine sehr hohe Effizienz hat. “Hochauflösend” bedeutet hier, dass der Spektrograph sehr nahe beisammenliegende Wellenlängen des Lichts noch voneinander unterscheiden kann (genau gesagt können zwei Lichtstrahlen voneinander getrennt werden, die sich nur um 1/85000 ihrer Wellenlänge unterscheiden), und “hohe Effizienz” bedeutet, dass ein sehr grosser Bruchteil des Lichts, das vom Teleskop gesammelt wird, auch tatsächlich vom Detektor registriert wird und nicht irgendwo unterwegs verloren geht. In diesem Fall ist dieser Bruchteil etwa ein Viertel, was vergleichsweise hoch ist. Jedenfalls muss das Teleskop jede Nacht im Betrieb sein und Beobachtungsdaten liefern, da diese Millionen-Investition ja auch etwas bringen soll. Dazu wird abwechselnd von den beiden beteiligten Instituten für ca. 12 Nächte ein Mitarbeiter geschickt, der in dieser Zeit die Beobachtungen durchführt. Im Moment bin also ich dran, und ich bin froh, dass ich um diese Jahreszeit beobachten kann. Im Winter sind nämlich die Nächte sehr lang und man kann außer beobachten, schlafen und zwischendurch mal etwas essen nichts anderes machen. Im Sommer sind die Nächte deutlich kürzer, und so nutze ich die freie Zeit zwischen Aufstehen am späten Nachmittag und Arbeitsbeginn zu Sonnenuntergang mit Sport, fotografieren (die Umgebung hier ist wirklich beindruckend schön!), lesen, sonnenbaden, und eben bloggen im Cosmic Diary!

Nun also zur Zwischenbilanz. Was meine persönliche Bilanz angeht, kann ich recht zufrieden sein. Ich habe in etwa das erreicht, was ich mir für meinen Beitrag zum Jahr der Astronomie vorgenommen hatte. Die fünf Vorträge (#1, #2, #3, #4, #5), die ich gemeinsam mit meinem Chef organisiert habe, sind recht gut über die Bühne gegangen, und wir hatten vor allem in den ersten zwei Vorträgen mehr Besucher als das Auditorium fassen konnte! Ein persönliches Glanzlicht des bisherigen IYA2009 war für mich sicher der gemeinsame Beobachtungsabend mit den Kindern in meiner ehemaligen Volksschule. Auch wenn dabei das Wetter nicht mitgespielt hat, war es ein sehr schönes Erlebnis und es begeistert mich selber zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind.

Ein kleiner Wehrmutstropfen in der Bilanz ist der dem Schlechtwetter zum Opfer gefallene Beobachtungsabend zur “Nacht der Dunkelheit” in Leuven. Der Abend mit meinen Freunden und Kollegen im Cafe anstatt beim Beobachten war zwar auch sehr nett, aber trotzdem sind wir nicht zu dem gekommen, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Etwas kritisch anmerken muss ich hier auch noch, dass das Engagement meines Instituts in Leuven im IYA2009 nicht so groß ist, wie ich erhofft hatte. Außer der Organisation der Vortragsreihe und der wissenschaftlichen Begleitung einer belgischen Fernsehshow zum IYA2009 (was trotzdem eine tolle Sache ist!), ist nicht sehr viel Engagement gekommen. Wahrscheinlich bin ich da etwas anders eingestellt als viele meiner Kollegen und verstehe meine Arbeit nicht nur als reiner Wissenschafter, sondern auch als “Verbreiter des Wissens”. Ich denke, es ist ein wichtiger Teil der Aufgabe der Wissenschaft(er), das erzeugte Wissen für andere Menschen zugänglich zu machen, die sich nicht jeden Tag damit auseinandersetzen können. Diese Aufgabe mache ich auch gerne.

Eine globale Bilanz zum IYA2009 kann ich hier natürlich nicht darlegen. Dazu fehlt mir doch der Überblick, was sich in der Welt so an IYA2009-Aktivitäten getan hat. Was man so hört, sind die Organisatoren des IYA sehr zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen, und es ist sogar noch eine Ausweitung der Veranstaltungen geplant. Trotzdem möchte ich eine Aktivität herausgreifen, die mir beim Lesen der unzäigen Neuigkeiten zum IYA2009 aufgefallen ist, nämlich das Star Peace (”Sternenfriede”) Projekt. Die Idee von Star Peace ist es, durch sogenannte “Star Parties” (also dem gemeinsamen Beobachten des Sternenhimmels auf einer Art Party) in Regionen der Welt, die von politischen Spannungen geprägt sind, die Menschen zusammen zu bringen und mehr Verständnis und Toleranz füreinander zu erzeugen. Vor allem in der Grenzregion zwischen Pakistan und Indien, die ja beide um die Kaschmir-Region streiten bzw. Krieg geführt haben, sind schon einige Star Parties von Star Peace organisiert worden. Das finde ich sehr beeindruckend und äußerst nachahmenswert. Die Astronomie ist also nicht nur dazu gut, unsere Welt besser zu verstehen, nein sie kann auch dazu genutzt werden, Frieden zwischen den Menschen auf diesem kleinen Staubkorn namens Erde im unermesslichen Universum zu schaffen! Diese Botschaft sollte so weit verbreitet werden wie nur möglich, und sollte uns allen Hoffnung geben.

Bis zum nächsten Mal,

Stefan

July 5th, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Halb-Privates, Mein Beitrag zu IYA, Was Astronomen so tun

Vortrag von Xander Tielens in Löwen

Hallo!
Am Dienstag dem 2. Juni ging nun der fünfte Vortrag in unserer Reihe für das Internationale Jahr der Astronomie über die Bühne. Diesmal sprach Alexander “Xander” Tielens von der Universität Leiden in den Niederlanden über die “Ökologie der Milchstraße”. Was kann man sich darunter vorstellen?

“Ökologie” hört sich erst mal nach Natur und Biologie an. Tatsächlich bedeutet das Wort soviel wie “Haushalt” oder “Kreislauf”. Ähnlich wie in der Natur auf Erden gibt es auch im Kosmos einen Kreislauf der Materie. Sterne entstehen aus Gas- und Staubwolken, die zwischen den Sternen in den Spiralarmen der Milchstraße im Raum treiben. Die Materie, aus der die Sterne entstehen, ist nicht unbedingt für alle Ewigkeit in diesen Sternen gebunden. Die Sterne entwickeln sich und altern mit den Jahrmillionen und Jahrmiliarden, abhängig vor allem von ihrer Masse. Vor allem in den späteren Entwicklungsstadien verlieren die Sterne wieder einen Teil ihrer Masse und geben sie zurück an das interstellare Medium. Besonders spektakulär passiert das natürlich bei einer Supernova, wenn also ein sehr schwerer Stern in einer finalen Explosion sein Leben aushaucht. Aber auch weniger schwere Sterne, die als Rote Riesen die letzte Lebensphase erreichen, verlieren einen Großteil ihrer Masse bevor sie als Weisse Zwerge vergehen. Das an das interstellare Medium zurückgegebene Material ist in seiner Zusammensetzung aber nicht identisch mit demjenigen, aus dem der Stern entstanden ist. Tief im Inneren des Sterns laufen Kernfusionsprozesse ab, die aus den leichten Elementen wie Wasserstoff und Helium schwere Elemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Eisen oder Blei erzeugen. Durchmischung des Sterns bringt diese Elemente an die Oberfläche, bevor sie zurück an das interstellare Medium abgegeben werden. Aber auch in den interstellaren Wolken selbst wird das Material ständig prozessiert. Atome finden sich zusammen zu Molekülen, die auch sehr komplex wie z.B. Aminosäuren sein können. Die Moleküle können zusammenklumpen und so kleine Staubteilchen bilden, mit Größen von einem Tausendstel bis einem Millionstel Millimeter. Der interstellare Staub bestimmt auf mikroskopischer Skala das Verhalten der Gas- und Staubwolken auf makroskopischer Skala, indem er Strahlung absorbiert und für die Heizung oder Kühlung der Wolken sorgt. Und aus diesen Wolken entstehen wieder neue Stern- und Planetensysteme…

Um diese Themen kreiste der Vortrag von Xander Tielens, der übrigens ausgesprochen lebhaft und anschaulich war! Als kleinen “Beleg” dafür will ich ein paar Bilder präsentieren:

Xander beginnt mit seinem Vortrag.

Xander beginnt mit seinem Vortrag.

Xander während seinem lebhaften Vortrag.

Xander während seinem lebhaften Vortrag.

Nun macht die Vortragsserie erst mal eine Sommerpause, bevor es im Oktober wieder weiter geht. Dann sind noch drei echte Belgier mit einem Vortrag am Wort. Dazu wird es natürlich auch immer einen Bericht hier geben!

Bis zum nächsten Mal,
Stefan

June 24th, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Mein Beitrag zu IYA, Was Astronomen so tun

Das “perfekte” Mondfoto

Hallo!
Neben meinem Job als Wissenschafter an der Universität Löwen beschäftige ich mich auch ganz gerne als Astrofotograf. Für langbelichtete Aufnahmen von lichtschwachen Galaxien und Nebel aller Art fehlt mir leider die Ausrüstung, da man dafür das Kameraobjektiv bzw. das Teleskop der Bewegung der Sterne über den Himmel nachführen muss. Das muss mit recht hoher Genauigkeit erfolgen, weil sonst die Sterne nach wenigen Sekunden als Striche statt als Punkte abgebildet werden, und die Ausrüstung, um das zu erreichen, ist aufwändig und teuer. Wie auch immer, mit meiner Ausrüstung muss ich mich auf kurze Belichtungen relativ heller Himmelsobjekte beschränken, wie z.B. der Venus oder dem Mond.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich versucht, von ebendiesem Mond schöne Aufnahmen zu machen. Im Frühling ist der zunehmende Halbmond besonders günstig zu fotografieren, da er dann hoch über dem Horizont steht (das gilt sowohl für die Nord- als auch für die Südhalbkugel der Erde!). Das “perfekte” Mondfoto ist mir meiner Meinung nach dabei noch nicht gelungen, aber einige recht vielversprechende Versuche sind mir schon geglückt. Diese möchte ich hier präsentieren.

Alle Bilder habe ich mit meiner Canon EOS 300D durch ein Maksutow-Teleskop mit 100 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite (sogenannte “Russentonne”) aufgenommen. Die Belichtungszeit habe ich je nach Mondphase variiert. Die Halbmondphasen in den vergangenen Frühlingsmonaten habe ich dazu genutzt, um einige schöne Bilder zu schießen. (Im Herbst ist der abnehmende Halbmond am Morgenhimmel ein lohnendes Fotomotiv.) Die Phase um den Halbmond ist besonders eindrucksvoll, da dann die Grenze zwischen Licht und Schatten (bzw. zwischen Tag und Nacht), auch “Terminator” genannt, mitten durch die Mondscheibe verläuft, und dann durch die langen Schatten die Berge und Krater entlang des Terminators sehr plastisch hervortreten. Bevor ich mich hier in langwierige Erklärungen verstricke, hier ein paar meiner besten Mondfotos:

Mond aufgenommen am 2. 4. 2009, t=1/200s, 400 ASA

Mond aufgenommen am 2. 4. 2009, t=1/200s, 400 ASA

Das obenstehende Bild wurde aufgenommen am 2. April 2009, nur wenige Stunden nach der exakten Halbmondphase. Der Terminator läuft genau mitten durch den Mond. Das Bild ist zugeschnitten, aber ansonsten komplett unbearbeitet. Selbst die Farben entsprechen dem visuellen Eindruck (der Mond ist eher gelblich). Aus irgendwelchen mir noch unbekannten Gründen habe ich Schwierigkeiten, mit der Russentonne ein komplett scharfes Bild hinzukriegen. Ich habe oft den Eindruck, dass die Bilder leicht verwackelt sind. Meine Kamera hat leider keine Spiegelvorauslösung, aber selbst mit der Kamera meiner Freundin, die über eine Spiegelvorauslösung verfügt, werden die Bilder nicht hundertprozentig scharf. Das Bild hier ist noch das beste einer Ganzen Serie von ca. 20 Aufnahmen. Mir gefällt das Bild ganz gut, aber die Kontraste sind irgendwie schwer hinzukriegen. Man erkennt aber eine ganz erstaunliche Anzahl von Kratern!

Mond am 5. 4. 2009, t=1/160, 400 ASA

Diese Aufnahme stammt vom 5. 4. 2009, also drei Tage nach Halbmond. Der Mond ist schon deutlich rundlicher. Dieses Bild wurde neben dem Zuschneiden auch in Schwarz-Weiss umgewandelt, was meiner Meinung nach bei Mondfotos recht gut aussieht. Dieses Bild gefällt mir sogar noch besser als das vorige, obwohl nicht so viele Krater so deutlich hervortreten. Dafür sieht man die Strahlen von einigen jungen Kratern sehr schön. Auch das bekannte “Gesicht im Mond” tritt gut hervor. Nicht zuletzt ist es auch schärfer als das erste Bild, obwohl mir nicht bewusst ist, was ich anders gemacht habe! Ich finde es ein schönes Porträt unseres Erdtrabanten. Wie gefällt es dir?

Bis zum nächsten Mal,
Stefan

June 3rd, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Astrofotografie

Vortrag von Johan Bleeker in Löwen

Hallo!
Wie ich in einigen vorherigen Posts schon beschrieben habe (#1, #2, #3), ist ein Teil meines Beitrags zum IYA2009 die Organisation einer Vortragsreihe zu astronomischen Themen in Löwen (oder Leuven). Vor kurzem (genau gesagt am Dienstag dem 5. Mai) war der vierte Vortrag in dieser Reihe, womit wir nun die Hälfte der Vorträge abgeschlossen haben. Als vierten Sprecher hatten wir Johan Bleeker, ein Hochenergie-Astronom am Niederländischen Institut für Weltraumforschung (SRON) in Utrecht, zu Gast. Der Titel seines Vortrags lautete: “Hochenergie-Astrophysik: Von Schwarzen Löchern zur großräumigen Struktur des Universums”. Das Ziel der Hochenergie-Astrophysik ist es, den Ursprung der hochenergetischen kosmischen Strahlung und ihre Eigenschaften zu untersuchen, sowie sie zum besseren Verständnis der sie erzeugenden Objekte zu benutzen. Die hochenergetische kosmische Strahlung wurde vom österreichischen Physiker Viktor Franz Hess bei Ballonflügen entdeckt, der sie als Höhenstrahlung bezeichnete. Für seine Entdeckung erhielt er im Jahre 1936 den Nobelpreis für Physik. Heute wissen wir, dass die kosmische Strahlung sowohl aus extrem energiereichen Lichtteilchen (Gammaquanten), als auch aus beinahe licht-schnellen, elektrisch geladenen Atomkernen besteht. Der Vorteil in der Beobachtung von Gammaquanten ist jener, dass sie im Gegensatz zu den Atomkernen nicht von interstellaren Magnetfeldern abgelenkt werden und daher ihre Richtung im Raum beibehalten, man also tatsächlich Bilder aus ihrer Messung erzeugen kann. Die die Strahlung verursachende Quelle kann also abgebildet und am Himmel identifiziert werden. Mit den Atomkernen kann man das leider nicht machen, da sie von interstellaren Magnetfeldern abgelenkt werden. Man kann nur ihre Energie bzw. ihr Spektrum bestimmen.

Jedenfalls hat Johan einen eindrucksvollen Überblick gegeben, welche Apparaturen und Observatorien mittlerweile den Astronomen zur Erforschung der kosmischen Strahlung zur Verfügung stehen, bzw. welche für die Zukunft geplant sind. Ein Großteil der Forschung auf diesem Gebiet muss vom Welraum aus gemacht werden, denn die Erdatmosphäre ist für Röntgen- und Gammastrahlung nicht durchlässig. Erst vom Erdorbit eröffnen sich die wirklichen Wunder der Hochenergie-Astrophysik. Aus diesem Grund, und auch aufgrund des technologischen Fortschritts, hat dieser Zweig der Astrophysik in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg gemacht, und es ist noch lange kein Ende dieser Entwicklung abzusehen.

Ich muss gestehen, dass dieses Gebiet der Astrophysik eines der für mich faszinierendsten außerhalb meines eigenen Forschungsbereiches ist. Leider wird in Österreich das Erbe von Viktor Franz Hess nach meiner Sichtweise nicht entsprechend gewürdigt, und so gibt es kaum nennenswerte Beiteiligungen an großen Projekten der Hochenergie-Astrophysik (GLAST, IceCube, Pierre-Auger Obeservatorium, MAGIC, HESS, …). Aus Mangel an solchen Kollaborationen hatte ich auch nicht die Möglichkeit, den Zugang zu diesem Forschungszweig zu finden. Vergangenen Sommer konnte ich auf der Kanareninsel La Palma die MAGIC Teleskope aus nächster Nähe begutachten und eine kleine Führung bekommen. Diese Anlage ist wirklich beeindruckend!

Jedenfalls war der Vortrag von Johan Bleeker sehr gut besucht, wenn auch der Saal nicht wie bei den vorangehenden Vorträgen aus allen Näten platzte. Die zwei wahrscheinlich wichtigsten Lehren, die wir aus der Beobachtung der Hochenergie-Astrophysik ziehen können, sind folgende:

1. Unser Planet und sogar unser menschliche Körper werden ständigt von kosmischer Strahlung getroffen und durchdrungen. In jeder Sekunde strömen Milliarden von Neutrinos, die von der Sonne oder anderen kosmischen Objekten stammen, durch unseren Körper. “Strahlung” im weitesten Sinne ist also etwas ganz normales, und mit den Methoden der Hochenergie-Astrophysik ist uns dieser ansonsten unsichtbare Teil des Universums erst zugänglich geworden.

2. Der Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf wird kein Schwarzes Loch erzeugen, das die Erde verschlingen könnte. Das kann man mit Sicherheit sagen, denn die kosmischen Teilchen, die ständig die Erdatmosphäre treffen, haben zum Teil eine viel höhere Energie als jene, die im LHC erzeugt werden sollen. Es wurden schon kosmische Teilchen beobachtet, die soviel Bewegungsenergie wie ein Tennisball bei einem Aufschlag mit sich führen! Würden durch Kollisionen zwischen dieser kosmischen Strahlung und den Atomen der Erdatmosphäre kleine Schwarze Löcher entstehen, wäre die Erde längst in einem dieser Löcher verschwunden. Da dem aber offensichtlich nicht so ist, müssen die im LHC erzeugten Teilchen absolut harmlos sein.

Hier noch ein paar Fotos von der Vorlesung von Johan Bleeker:

Blick ins Publikum vor dem Vortrag von Johan Bleeker.

Blick ins Publikum vor dem Vortrag von Johan Bleeker.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Frage-Antwort Runde am Ende von Johans Vortrag.

Frage-Antwort Runde am Ende von Johans Vortrag.

In unserer Reihe folgt noch ein Vortrag am 2. Juni, bevor es in eine Sommerpause bis Oktober geht. Wie immer wird es in meinem Cosmic Diary dazu einen Bericht geben!

Bis zum nächsten Mal,
Stefan

May 31st, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Mein Beitrag zu IYA, Was Astronomen so tun