Cosmic Diary Logo

Meet the astronomers. See where they work. Know what they know.


The Project:

The Cosmic Diary is not just about astronomy. It's more about what it is like to be an astronomer.

The Cosmic Diary aims to put a human face on astronomy: professional scientists will blog in text and images about their lives, families, friends, hobbies and interests, as well as their work, their latest research findings and the challenges that face them. The bloggers represent a vibrant cross-section of female and male working astronomers from around the world, coming from five different continents. Outside the observatories, labs and offices they are musicians, mothers, photographers, athletes, amateur astronomers. At work, they are managers, observers, graduate students, grant proposers, instrument builders and data analysts.

Throughout this project, all the bloggers will be asked to explain one particular aspect of their work to the public. In a true exercise of science communication, these scientists will use easy-to-understand language to translate the nuts and bolts of their scientific research into a popular science article. This will be their challenge.

Task Group:

Mariana Barrosa (Portugal, ESO ePOD)
Nuno Marques (Portugal, Web Developer)
Lee Pullen (UK, Freelance Science Communicator)
André Roquette (Portugal, ESO ePOD)

Jack Oughton (UK, Freelance Science Communicator)
Alice Enevoldsen (USA, Pacific Science Center)
Alberto Krone Martins (Brazil, Uni. S. Paulo / Uni. Bordeaux)
Kevin Govender (South Africa, S. A. A. O.)
Avivah Yamani (Indonesia, Rigel Kentaurus)
Henri Boffin (Belgium, ESO ePOD)

Archive for May, 2009

Vortrag von Johan Bleeker in Löwen

Hallo!
Wie ich in einigen vorherigen Posts schon beschrieben habe (#1, #2, #3), ist ein Teil meines Beitrags zum IYA2009 die Organisation einer Vortragsreihe zu astronomischen Themen in Löwen (oder Leuven). Vor kurzem (genau gesagt am Dienstag dem 5. Mai) war der vierte Vortrag in dieser Reihe, womit wir nun die Hälfte der Vorträge abgeschlossen haben. Als vierten Sprecher hatten wir Johan Bleeker, ein Hochenergie-Astronom am Niederländischen Institut für Weltraumforschung (SRON) in Utrecht, zu Gast. Der Titel seines Vortrags lautete: “Hochenergie-Astrophysik: Von Schwarzen Löchern zur großräumigen Struktur des Universums”. Das Ziel der Hochenergie-Astrophysik ist es, den Ursprung der hochenergetischen kosmischen Strahlung und ihre Eigenschaften zu untersuchen, sowie sie zum besseren Verständnis der sie erzeugenden Objekte zu benutzen. Die hochenergetische kosmische Strahlung wurde vom österreichischen Physiker Viktor Franz Hess bei Ballonflügen entdeckt, der sie als Höhenstrahlung bezeichnete. Für seine Entdeckung erhielt er im Jahre 1936 den Nobelpreis für Physik. Heute wissen wir, dass die kosmische Strahlung sowohl aus extrem energiereichen Lichtteilchen (Gammaquanten), als auch aus beinahe licht-schnellen, elektrisch geladenen Atomkernen besteht. Der Vorteil in der Beobachtung von Gammaquanten ist jener, dass sie im Gegensatz zu den Atomkernen nicht von interstellaren Magnetfeldern abgelenkt werden und daher ihre Richtung im Raum beibehalten, man also tatsächlich Bilder aus ihrer Messung erzeugen kann. Die die Strahlung verursachende Quelle kann also abgebildet und am Himmel identifiziert werden. Mit den Atomkernen kann man das leider nicht machen, da sie von interstellaren Magnetfeldern abgelenkt werden. Man kann nur ihre Energie bzw. ihr Spektrum bestimmen.

Jedenfalls hat Johan einen eindrucksvollen Überblick gegeben, welche Apparaturen und Observatorien mittlerweile den Astronomen zur Erforschung der kosmischen Strahlung zur Verfügung stehen, bzw. welche für die Zukunft geplant sind. Ein Großteil der Forschung auf diesem Gebiet muss vom Welraum aus gemacht werden, denn die Erdatmosphäre ist für Röntgen- und Gammastrahlung nicht durchlässig. Erst vom Erdorbit eröffnen sich die wirklichen Wunder der Hochenergie-Astrophysik. Aus diesem Grund, und auch aufgrund des technologischen Fortschritts, hat dieser Zweig der Astrophysik in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg gemacht, und es ist noch lange kein Ende dieser Entwicklung abzusehen.

Ich muss gestehen, dass dieses Gebiet der Astrophysik eines der für mich faszinierendsten außerhalb meines eigenen Forschungsbereiches ist. Leider wird in Österreich das Erbe von Viktor Franz Hess nach meiner Sichtweise nicht entsprechend gewürdigt, und so gibt es kaum nennenswerte Beiteiligungen an großen Projekten der Hochenergie-Astrophysik (GLAST, IceCube, Pierre-Auger Obeservatorium, MAGIC, HESS, …). Aus Mangel an solchen Kollaborationen hatte ich auch nicht die Möglichkeit, den Zugang zu diesem Forschungszweig zu finden. Vergangenen Sommer konnte ich auf der Kanareninsel La Palma die MAGIC Teleskope aus nächster Nähe begutachten und eine kleine Führung bekommen. Diese Anlage ist wirklich beeindruckend!

Jedenfalls war der Vortrag von Johan Bleeker sehr gut besucht, wenn auch der Saal nicht wie bei den vorangehenden Vorträgen aus allen Näten platzte. Die zwei wahrscheinlich wichtigsten Lehren, die wir aus der Beobachtung der Hochenergie-Astrophysik ziehen können, sind folgende:

1. Unser Planet und sogar unser menschliche Körper werden ständigt von kosmischer Strahlung getroffen und durchdrungen. In jeder Sekunde strömen Milliarden von Neutrinos, die von der Sonne oder anderen kosmischen Objekten stammen, durch unseren Körper. “Strahlung” im weitesten Sinne ist also etwas ganz normales, und mit den Methoden der Hochenergie-Astrophysik ist uns dieser ansonsten unsichtbare Teil des Universums erst zugänglich geworden.

2. Der Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf wird kein Schwarzes Loch erzeugen, das die Erde verschlingen könnte. Das kann man mit Sicherheit sagen, denn die kosmischen Teilchen, die ständig die Erdatmosphäre treffen, haben zum Teil eine viel höhere Energie als jene, die im LHC erzeugt werden sollen. Es wurden schon kosmische Teilchen beobachtet, die soviel Bewegungsenergie wie ein Tennisball bei einem Aufschlag mit sich führen! Würden durch Kollisionen zwischen dieser kosmischen Strahlung und den Atomen der Erdatmosphäre kleine Schwarze Löcher entstehen, wäre die Erde längst in einem dieser Löcher verschwunden. Da dem aber offensichtlich nicht so ist, müssen die im LHC erzeugten Teilchen absolut harmlos sein.

Hier noch ein paar Fotos von der Vorlesung von Johan Bleeker:

Blick ins Publikum vor dem Vortrag von Johan Bleeker.

Blick ins Publikum vor dem Vortrag von Johan Bleeker.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Johan Bleeker während seines Vortrags.

Frage-Antwort Runde am Ende von Johans Vortrag.

Frage-Antwort Runde am Ende von Johans Vortrag.

In unserer Reihe folgt noch ein Vortrag am 2. Juni, bevor es in eine Sommerpause bis Oktober geht. Wie immer wird es in meinem Cosmic Diary dazu einen Bericht geben!

Bis zum nächsten Mal,
Stefan

May 31st, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Mein Beitrag zu IYA, Was Astronomen so tun

Ein Sternguckabend mit Volksschulkindern

Hallo!
Wie versprochen hier nun der Eintrag zu einem Ereignis, das zwar nicht zum täglichen Brot eines Astronomen gehört, aber definitiv einen Eintrag mehr als wert ist. Wie schon in einem älteren Bericht erwähnt, habe ich der Volksschule in meinem Heimatort Geboltskirchen (Oberösterreich) zu diesem Jahr der Astronomie ein Fernrohr geschenkt. Nun hatte ich vor kurzem die Ehre, mit einem gemeinsamen Beobachtungsabend mit den Kindern das Fernrohr sozusagen “einzuweihen” und seiner Bestimmung zu übergeben. Dazu habe ich mit der Direktorin der Schule, Frau Sieglinde Feldmann, den Abend des 28. April als Termin für den Sternguckabend vereinbart. An dem Tag standen quasi die Sterne günstig, oder viel eher der Mond, denn er sollte als schmale zunehmende Sichel am Abendhimmel gut sichtbar sein. Dadurch dass ich nun in Belgien arbeite, kann ich leider nicht spontan zur Schule kommen und mit den Kindern in die Sterne gucken, wenn das Wetter gerade schön ist. Wir mussten also hoffen, dass am vereinbarten Abend auch das Wetter passen würde und wir etwas vom Himmel zu sehen bekommen würden. Wir haben bis zuletzt gehofft…

Ende April ist in Oberösterreich ca. um 20:15 Uhr Sonnenuntergang. Damit die Kinder unabhängig vom Wetter etwas geboten bekommen und das Warten auf den dunklen Himmel nicht allzu langweilig wird, habe ich quasi als Vorprogramm einen kleinen Vortrag über mich bzw. über einige Aspekte der Astronomie gehalten, bevor dann kurz nach Sonnenuntergang das Sternschauen beginnen sollte. Im Vortrag habe ich von meiner schulischen “Karriere” im Kindergarten und in der Volksschule Geboltskirchen berichtet, vom Besuch der Hauptschule im Nachbarort Haag am Hausruck und vom Gymnasium in Ried im Innkreis, und zuletzt von meinem Studium der Physik und Astronomie in Wien. Bevor ich aber dazu kam, von meinem Doktorat und der Arbeit bei der ESO in München zu berichten, verlor ich mich fast schon in Erzählungen dessen, was man mit dem Fernrohr der Schule denn nun so alles beobachten kann. In solche Dinge binde ich die Kinder immer gerne mit einem Frage-Antwort Spiel ein. Natürlich haben die Kinder in erster Linie die Planeten in unserem Sonnensystem aufgezählt, zu denen ich dann auch ein paar Einzelheiten berichtet habe. Interessanterweise wurde in der Aufzählung beinahe der Mond vergessen, der an diesem Abend schön zu sehen sein sollte! Am Schluss des Vortrags durften die Kinder dann noch einige vorbereitete Fragen an mich richten. Es waren jedoch so viele Fragen, dass wir wahrscheinlich noch eine Stunde beisammen gesessen wären, um sie alle zu beantworten! Die Kinder stellten einige Fragen die mit Zahlen zu tun hatten, und sie waren sehr beeindruckt von den vielen Nullen. Auch einige Eltern waren der Einladung zum Sternguckabend gefolgt, und auch sie hatten einige Fragen an mich. Ich freue mich immer sehr, wenn ich etwas über das Universum, in dem wir leben, erzählen darf, das mache ich wirklich gerne!

Dann war es aber schon spät und somit finster genug, um in die Sterne zu schauen. Würde sich das Wetter als gnädig erweisen? Am Nachmittag waren einige Wolken aufgezogen, die kurz vor dem Vortrag etwas dichter wurden, aber wir waren trotzdem optimistisch, dass sich für uns eine Wolkenlücke auftun würde. Leider leider war dem aber nicht so. Wir stellten das Fernrohr noch vor der Aula der Schule auf, um wenigstens die Bäume des umliegenden Hausruckwaldes betrachten zu können, denn es gab keine einzige auch noch so kleine Lücke in den Wolken. Aber nachdem einige Kinder durch das Rohr geschaut hatten, begann es auch schon zu tröpfeln. Schnell konnten noch die letzten einen Blick durch die Linse erhaschen, bevor der Regen wirklich zu stark wurde und wir das Fernrohr wieder in das sichere Trockene bringen mussten.

Trotz des Pechs mit dem Wetter, mit dem man als Astronom gelernt hat zu leben, war der Abend sicher ein Erfolg. Für die Kinder war es ein spannender Abend, und auch von den Lehrerinnen und Eltern kamen sehr positive Rückmeldungen. Für die Zukunft ist geplant, möglicherweise am Dorffest, das in Geboltskirchen immer am 14. August über die Bühne geht, einen weiteren Sternguckabend zu veranstalten. Besonders eingeladen dazu sind natürlich wieder die Volksschulkinder. Und hoffentlich passt dann auch das Wetter.

Hier noch ein paar Bilder des Sternguckabends:

Gruppenfoto mit Sonnensystem, gebastelt von den Kindern.

Gruppenfoto mit Sonnensystem, gebastelt von den Kindern.

Während des Vortrags in der Aula der Schule, mit dem Fernrohr hinter der Säule.

Während des Vortrags in der Aula der Schule, mit dem Fernrohr hinter der Säule.

Da war es noch trocken. Die Kinder stehen Schlange für einen Blick durch das Teleskop.

Da war es noch trocken. Die Kinder stehen Schlange für einen Blick durch das Teleskop.

May 23rd, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Mein Beitrag zu IYA, Uncategorized, VS Geboltskirchen

Was habe ich eigentlich die ganze Zeit gemacht?

Hallo!
Ich merke gerade, dass ich schon seit eineinhalb Monaten keinen Blog-Eintrag mehr geschrieben habe! Wie die Zeit vergeht! Was habe ich eigentlich die ganze Zeit gemacht? Diese Frage stelle ich mir manchmal, und auf den ersten Blick kommt mir oft vor, dass ich irgendwie nichts gemacht habe, aber auf dem zweiten Blick stellt sich heraus, dass ich doch einiges geschafft.

In den letzten Wochen habe ich viel von dem gemacht, was für Astronomen zum täglichen Brot gehört: Wissenschaftliche Artikel an ein Journal geschickt, Beobachtungsdaten reduziert und analysiert, mich auf eine Konferenz vorbereitet und auch daran teilgenommen, auf der Konferenz einen Vortrag über meine eigene Arbeit gehalten, usw. Soll ich im Detail auf all diese Dinge eingehen? Ich denke, dass in vielen der Einträge im Cosmic Diary schon erklärt wurde, was Astronomen so machen, deshalb werde ich das hier mal weglassen. Einige Dinge haben sich aber auch getan, die nicht unbedingt zum täglichen Brot eines Astrophysikers gehören, und diese Ereignisse verdienen sich einen eigenen Eintrag. Einen davon schreibe ich gleich als nächsten.

Bis gleich,
Stefan

May 23rd, 2009 | posted by Stefan Uttenthaler in Uncategorized